Celebrate the games - Ein Besuch auf der gamescom

Durch die freundliche Unterstützung der Stiftung Digitale Spielekultur besuchte Praktikant Steve Naskowski erstmals seit dem Umzug der Messe nach Köln wieder eine gamescom – und das auch noch als Fachbesucher! Der Welt größte Spielemesse befand er vor allem als eines: Ziemlich voll.
Die gamescom findet seit 2009 jedes Jahr in Köln statt und ist die größte Video- und Computerspielemesse der Welt. 
Allein in diesem Jahr kamen 335.000 Besucher.

So sieht man sich wieder

Ich glaube es war damals, Anno Domini 2007, also schon lange her, als ich mich das erste und bis vor kurzem einzige Mal auf eine gamescom (zu jener Zeit noch die „Games Convention“ in Leipzig) verirrte. Meine Erinnerungen mögen mich trügen, aber der Grundgedanke, den ich von dort mitnahm, war, dass es ganz schön war. Vor allem ganz schön voll. Spiele sah man nur über irgendwelche Köpfe hinweg in weiter Ferne, wenn man nicht gerade die nächsten Stunden mit Anstehen verbringen wollte. An den bunten Ständen der Aussteller ging es nur im Schneckentempo vorbei und Vorankommen erforderte teils einige Ellenbogenarbeit.

Sollte es 2014 in Köln etwa genauso werden?

 

Der frühe Vogel...

Mittwochmorgen, 8.30 Uhr: Kleckerweise kommen erste Besucher*innen zum Eingang Süd der koelnmesse und reihen sich brav in wachsende Schlangen ein.

Die Menge ist überschaubar, denn: Es ist Fachbesucher- und Medientag. Wer zu Medien oder Industrie gehört, nutzt diesen Tag für Termine und Interviews im Businessbereich. Oder man nutzt, wie manch spitzfindiger Praktikant, der gerade keinen Termin hat, die Gunst der Stunde und schaut sich ohne großes Drängeln Stände und Spiele an. Nach nicht einmal 10 Minuten Wartezeit hat man schon den Controller in der Hand und kann eine Runde FIFA 15 spielen! 25 Minuten später steht man bereits vor der nächsten Flimmerkiste und schaut sich den neuesten Borderlands-Teil an!

 

...darf zuerst Schlange stehen

Doch ach, zu schön wär’s gewesen: EA’s geschlossene Veranstaltung zu Dragon Age: Inquisition, Battlefield und Co. lässt nicht einmal einen verstohlenen Blick durch den Vorhang zu und die Schlange vor Ubisofts The Division nähert sich schon gegen Mittag dem Schild mit der Aufschrift „Ab hier 2 Stunden Wartezeit“. Zumindest der Stand von Nintendo bietet mit Mario Kart 8 und dem aktuellen Ableger der Super Smash Bros.-Reihe zu diesem Zeitpunkt noch die Chance auf einigermaßen anstehfreien Spielspaß.

Auch von Feierlaune noch keine rechte Spur: Wirkliches Entertainmentprogramm folgt erst in den nächsten Tagen. (Die 2K-Bühne einmal ausgenommen, da dröhnt es schon zu frühester Stunde bekannte Popsongs aus den Lautsprechern und die tanzenden Motivator*innen werfen der hüpfenden Menge Merchandise-Artikel entgegen.)

Gut, wenn man dann einen Termin bei CD Projekt Red hat und sich mit exklusivem Gameplay aus The Witcher 3: Wild Hunt verwöhnen kann.

 

Die kenn’ ich doch!

Bewegt man sich dann zwischen den Hallen hin und her, trifft man früher oder später auch auf vertraute Gesichter. Also, quasi. Die Rede ist von Cosplayern. Junge Frauen und Männer, die sich verkleidet als Ebenbilder der (Anti-)Helden ihrer Lieblingsspiele zur Schau stellen und fast immer für ein Foto zu haben sind.

Seit 2006 als Botschafter für Videospiele im TV anzutreffen - die Jungs von GameOne (v.l.n.r.):

Daniel Budiman, Etienne Gardé, Nils Bomhoff und Simon Krätschmer

© Getty Images

Als besonderer Leckerbissen für alle Liebhaber des gepflegten Verkleidens ist da das gamescom cosplay village zu empfehlen, das sich... Moment mal, ist da gerade Gronkh an mir vorbeigelaufen? Tatsache!

Auch wenn die meisten erst zum Höhepunkt der Feierlichkeiten am Wochenende erscheinen, kann man mit etwas Glück schon vorher so manche Internetberühmtheit treffen und ein gemeinsames Foto ergattern.

...Stehen da hinten nicht die von GameOne?

 

Runter da vorn!

Donnerstag, 17.53 Uhr: Nach einem Tag ehrlicher Stiftungsarbeit beeile ich mich, um noch rechtzeitig zur Halle 7.1 zu kommen. Als echten Fanboy zieht es mich zum Blizzardstand, 18 Uhr soll’s losgehen. Das Cinematic vom nächsten Add-On feiert Weltpremiere: World of Warcraft: Warlords of Draenor. Pech nur, dass ungefähr 999 andere Fanboys (und -girls) diese Idee schon eine Stunde vor mir hatten. Also brav hinstellen und das Gedränge ertragen.

20 Minuten und 5 Cinematics der vergangenen Add-Ons später wird es auf einmal spannend, Menschen kommen auf die Bühne. Glaube ich. An die Position der Bühne kann ich mich nur vom gestrigen Besuch noch ungefähr erinnern, sehen kann ich sie selbst auf dem riesigen LCD-Screen nicht wirklich – überall Köpfe. „Wir brauchen mal 5 Freiwillige für ein Quiz! Es gibt was zu gewinnen.“ Tja, da hätte man sich wohl schon um 15 Uhr anstellen müssen. Schade. Aber danach geht’s bestimmt los.

Oder auch nicht. Es folgen noch eine recht mäßige Bühnenshow und zwei vollkommen unverständliche Interviews. (Danke für’s gegenseitige Übertönen, liebe Nachbarstände.) Weitere 60 Minuten und ein Paar schmerzender Füße später ist es endlich soweit. Weltpremiere. Und ich live dabei.

Alles übertönende Bässe dröhnen aus den Lautsprechern und lassen meinen Körper erbeben. Explosionen, Orks, riesige Dämonen – die Menge jubelt! Und dreht sich nach 4½ Minuten geschlossen um und geht. Die Show ist vorbei.

War es das wert? Irgendwie schon.

Auch wenn ich all das maximal fünf Minuten später ohne Schweiß und Drängeln in Full HD, mit ausführlichen Interviews auch im Internet hätte sehen können... Mh.

 

Und, wie war’s nun?

Die gamescom ist die größte Videospielemesse der Welt und bietet eine unglaubliche Vielfalt an Spielen für jede Altersgruppe, egal ob AAA-Titel oder kleines Indie-Game. Zudem finden zeitgleich zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Games, wie z.B. der gamescom congress, statt.

Hunderttausende kommen jedes Jahr zu Besuch und machen die Messe unsicher. Ob man das gut findet oder nicht, hängt ganz davon ab, was man von der Messe erwartet: Will man die neuesten Spiele ausprobieren oder exklusive Neuigkeiten erfahren, muss man entweder von der Presse sein und sich einen Termin beim Publisher bzw. Entwickler seines Vertrauens besorgen oder viel, viel Zeit haben. Nicht umsonst ist das meistgespielte Spiel auf der gamescom jedes Jahr der Warteschlangensimulator. T-Shirts, Plüschtiere und andere Fanartikel zu ergattern, erfordert einiges an Schweiß und Durchsetzungsvermögen: Wer nicht mithüpft, grölt oder ganz einfach lange Arme hat, der geht leider meist leer aus.

Kommt man allerdings zur gamescom auf der Suche nach guter Laune, tollen Leuten und einer riesigen Party, ist man genau richtig: Spätestens am Wochenende, wenn sich Internetgrößen die Klinke bei den zahlreichen Liveauftritten in die Hand geben, kommen geneigte Fans auf ihre Kosten! Jederzeit schallt es von irgendwoher Musik und Aufrufe zum Mitmachen. Freudentaumel und enttäuschtes Aufstöhnen gehen Hand in Hand bei einem der vielen kleinen Turniere, an denen man teilnehmen kann. Oder man lässt spielen und sieht zu, wie die besten League of Legends-Teams Europas bei den EU LCS playoffs gegeneinander antreten.

Im Grunde trifft der Slogan der gamescom den Kern der Messe ziemlich genau: Celebrate the games!

Artikel erschienen am: Dienstag, 19. August 2014