Die Sache mit dem Verkleiden - Ein Bericht über Cosplay

Von vielen Veranstaltungen in der Spiele- und Kulturbranche sind sie kaum noch wegzudenken – Cosplayer. Oftmals bunt und aufwändig gekleidet, zeigen sie so ihre Faszination für bestimmte Charaktere aus Videospielen, Serien, Büchern und Filmen. Doch was genau bedeutet Cosplay und was hängt damit alles zusammen?
Bioshock: Big Daddy und Little Sister
Es mag auf den ersten Blick seltsam anmuten, aber Spiele bieten auch die Chance, für generationenübergreifendes Cosplay.

Cosplay ist eine Wortschöpfung aus den Begriffen Costume und Play und kann am ehesten mit dem deutschen Wort „Kostümspiel“ umschrieben werden. Es umfasst dabei ein breites Spektrum an möglichen Inspirationen. Als Namensvetter gilt der japanische Regisseur und Produzent Nobuyuki Takahashi, der den Begriff 1983 erstmals in einem Interview verwendete. Schnell etablierte er sich erst innerhalb Japans und kam dann in kürzester Zeit auch in den amerikanischen und europäischen Fan-Gemeinden an.

Längst geben Eltern ihre Faszination auch an ihre Kinder weiter und setzen die kreativsten Kostüme mit ihnen gemeinsam um.

Generell bezeichnet Cosplay alle Kreationen von Fans, die in Handarbeit (und durch maschinelle Unterstützung) Kostüme, Rüstungen, Waffen und dergleichen ihrer liebsten Vertreter der Popkultur nachbauen. Vom Nähen über thermoplastische Werkstoffe (wie etwa „Worbla“) bis hin zum Verarbeiten von Holz und Fiberglas – es gibt kaum Materialien, die Cosplayer nicht für ihre Zwecke ausprobieren. Was oftmals mit der Nähmaschine der Eltern im Kinderzimmer anfängt,  erweitert sich nach und nach um Heißluftpistolen, Dremel, Heißschneidemesser und allerlei andere Werkzeuge. Mittlerweile arbeiten viele bereits auch mit LEDs und anderen Lichtquellen.

Die Produktpalette macht bereits deutlich, dass Cosplay eine durchaus fordernde Beschäftigung werden kann. Zwar gibt es mittlerweile auch auf dem deutschen Markt erste erfolgreiche Bücher und Online-Shops zum Thema, das meiste müssen Cosplayer sich allerdings oft selbst anhand von Online-Tutorials beibringen oder Eigenversuche starten. Schon bevor die Kostüme tatsächlich angefertigt werden, geht für viele die Arbeit bereits los. Gerade Videospiele und Comics sind nicht dafür bekannt, bei dem Design ihrer Charaktere auf realistische Proportionen oder umsetzbare Nahtverläufe zu achten. Schnittmuster müssen daher oft selbst gezeichnet oder angepasst werden.  Die Fans schätzen ihr Hobby gerade aus diesem Grund, da man verschiedenste Fertigkeiten vom Frisieren einer Perücke bis zum Löten von Metallteilen einsetzen muss.

In dieser Zauberin der deutschen Cosplayerin Murmeltierchen steckt ein bunter Materialmix (diverse Stoffe, Stoff- und Acrylfarben, Worbla, Holz, Holzleim und Kunstleder) und viel Erfahrung.

Wie groß die Cosplay-Community ist, lässt sich nur schwerlich sagen, da es keine verlässlichen Erhebungsmethoden gibt. Betrachtet man die Zahl der Nutzer von Online-Communities sowie die Zahlen der (verkleideten) Besucher auf den Szene-Conventions, ergibt sich eine Anzahl von etwa 5.000 bis 10.000 aktiven Cosplayern in Deutschland. Die wichtigsten Veranstaltungen für Cosplayer in Deutschland sind die Connichi (Kassel), die Animagic (Bonn) und die Manga Comic Convention auf der Leipziger Buchmesse (Leipzig). 

Neben Fachveranstaltungen der Anime-/Manga- und Comic-Szene sind Cosplayer mittlerweile auch auf vielen Veranstaltungen der Spiele- und Literaturbranche vertreten. Bei den jährlichen Buchmessen in  Leipzig und Frankfurt gehören sie mittlerweile zum normalen Messealltag. Auf der Gamescom in Köln gibt es einen dedizierten Bereich namens „Gamescom Cosplay Village“, in dem gesonderte Events für die vielen anreisenden Cosplayer und Fans der Szene angeboten werden. Auch  die amerikanische Blizzcon gehört zu den vielen Events, die dem Thema mittlerweile sogar eigene Programmpunkte widmen. Der Blizzcon-Kostümwettbewerb ist in der Szene nahezu legendär und auch außerhalb dieser von einiger Bekanntheit. Die inoffizielle Cosplay-Weltmeisterschaft ist der World Cosplay Summit (WCS), für den sich pro Teilnehmer-Land ein Paar für das Finale in Japan qualifizieren kann.

Eine Cosplayerin von Jinx aus League of Legends im Cosplay Village der Gamescom. ("Gamescom Cosplay Village 2014: League of Legends" von Marco Verch, verwendet unter CC BY / keine Änderungen)

Im Bereich der digitalen Spiele ist die Cosplay-Landschaft sehr divers. Es gibt durchaus einige Dauerbrenner, die seit Jahren auf Conventions angetroffen werden können. Dazu gehören vor allem Charaktere aus den Final Fantasy- und Legend of Zelda-Serien, Ganzkörper-Rüstungen aus den Halo- und Mass Effect-Universen,  und quasi alles aus dem Hause Blizzard, sei es World of Warcraft oder Diablo. In den letzten Jahren gab es allerdings auch eine Vielzahl von Kostümen zu Titeln wie Borderlands oder League of Legends. Generell erstreckt sich das Spektrum im Spiele-Bereich von eher simplen Kampfsportanzügen aus Stoff bis hin zu mittelalterlichen Rüstungen mit Schwert, Armbrust oder Bogen. Somit ist es theoretisch auch für Anfänger möglich, erste Erfahrungen mit dem Cosplay im Spielebereich zu sammeln.    

Dieses Cosplay aus WoW: Mists of Pandaria zeigt eindrucksvoll, dass es kaum etwas gibt, was nicht umgesetzt wird.

 

Auch wenn viele Cosplays mittlerweile durch die zahlreichen Wettbewerbe, hochwertigen Fotoshootings und teilweise sogar TV-Produktionen, ein hohes Level an Professionalität erreicht haben, bleibt Cosplay im Kern doch eins – ein zeitaufwändiges, meist teures, aber auch spaßiges und lohnenswertes Hobby.

Eine Dame, die sich mit ihren Werken einen Namen gemacht hat und für die es in der Tat mehr als ein Hobby ist, werden wir im nächsten Teil unseres Artikels vorstellen.

Artikel erschienen am: Mittwoch, 18. März 2015