Interview mit Geschäftsführer Peter Tscherne

Seit Oktober 2012 führt Peter Tscherne die Geschäfte der Stiftung Digitale Spielekultur. Im Interview mit der Fachzeitschrift GamesMarkt erläutert er Zweck und Ziele der Stiftung.

GamesMarkt: Wieso gibt es eine Stiftung Digitale Spielekultur?
Peter Tscherne: Sowohl die Industrie als auch die Politik sehen viel Potenzial in dem Thema. Digitale Spiele haben einen ungeheuren gesellschaftlichen Einfluss nicht nur als Unterhaltungsprodukte, sondern zum Beispiel auch als Technologietreiber, Lernwerkzeuge oder künstlerisches Ausdrucksmittel. In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, welche Chancen und Potenziale damit verbunden sind. Und genau die wollen wir ausloten, ohne dabei die mit dem Thema verbundenen Risiken auszublenden. Man könnte auch sagen, die Industrie übernimmt durch diesen Schritt noch mehr gesellschaftliche Verantwortung als bisher.

Digitale Spiele haben einen ungeheuren gesellschaftlichen Einfluss nicht nur als Unterhaltungsprodukte, sondern auch als Technologietreiber, Lernwerkzeuge oder künstlerisches Ausdrucksmittel.

GamesMarkt: Wie kam es konkret zur Gründung der Stiftung?
Peter Tscherne: 2007 wurde mit dem Bericht des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) „zur Sicherung eines Zielgruppen-gerechten und qualitativ hochwertigen Angebots an interaktiven Unterhaltungsmedien“ an den Deutschen Bundestag eine erste Grundlage gelegt. Hinzu kam der Beschluss des Deutschen Bundestags „Wertvolle Computerspiele fördern, Medienkompetenz stärken“ aus demselben Jahr. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Einrichtung des Deutschen Computerspielpreises im Jahr 2009, ein zweiter die Gründung der Stiftung.

GamesMarkt: Seit wann existiert die Stiftung?
Peter Tscherne: Die Stiftung wurde Ende 2011 offiziell gegründet. Richtig los ging es im Oktober 2012, als ich meine Arbeit als Geschäftsführer der Stiftung aufgenommen habe. Der endgültige Startschuss wird mit der ersten Sitzung des Stiftungsbeirats gegeben.

GamesMarkt: Und wo ist der Sitz der Stiftung?
Peter Tscherne: Sie hat ihren Sitz in Berlin-Brandenburg, agiert aber bundesweit. Wir, Projektmanager Benjamin Rostalski und ich, haben Räume bei der USK gemietet. So können wir zum einen auf das Expertenwissen der USK-Mitarbeiter, zum anderen auf das umfangreiche Games-Archiv zugreifen. Und ich habe durch die räumliche Nähe einen kurzen Weg zu einem der Beiratsmitglieder der Stiftung, Felix Falk.

GamesMarkt: Welchen Bezug hat die Stiftung zum Deutschen Computerspielpreis?
Peter Tscherne: Wir leiten zum einen das Awardbüro, das für alle Spiele-Einreichungen sowie die Jurysitzungen verantwortlich ist. Zum anderen haben wir in diesem Jahr die Gesamtorganisation aller Gewerke des „DCP“ übernommen.

GamesMarkt: Um welche Art Stiftung handelt es sich? Um eine Förderstiftung, die Tätigkeiten Dritter finanziell fördert? Oder eine operative Stiftung, die zur Erfüllung des Stiftungszwecks
selbst Projekte realisiert?
Peter Tscherne: Unsere Rechtsform ist die einer gemeinnützigen GmbH. Wir können daher auch Spenden empfangen. Wir fördern Projekte Dritter und führen eigene Projekte durch.

GamesMarkt: Wie ist es um die Finanzierung bestellt? Woher kommen die Mittel? Wie sollen sie eingesetzt werden?
Peter Tscherne: Die Branche (BIU, GAME, USK) stellt die Grundfinanzierung der Stiftung (Infrastruktur, Personal) sicher und gibt zusätzliche Projektmittel. Daneben fördert das Medienboard Berlin-Brandenburg verschiedene Projekte der Stiftung. Diese Projekte haben dann einen starken Bezug zur Region. Weitere Projekte möchten wir mit Unterstützung Dritter sowie der Industrie, der Politik und den Förderinstitutionen realisieren. Hier sind wir gespannt, wer sich wie bei welchen Themen einbringt. Schwerpunkte setzen wir in ganz verschiedenen Bereichen: Kultur, Bildung, Ausbildung, Medienkompetenz, Jugendschutz oder Gamesforschung.

Schwerpunkte setzen wir in ganz verschiedenen Bereichen: Kultur, Bildung, Ausbildung, Medienkompetenz, Jugendschutz, Gamesforschung.

GamesMarkt: Ist die Stiftung zeitlich begrenzt?
Peter Tscherne: Unser Ziel ist es, Akzeptanz und Relevanz von digitalen Spielen in unserer Gesellschaft zu steigern. Unser Medium kann sich noch in so vielen Kontexten beweisen … Da gibt es auf viele Jahre hinaus genug zu tun.

GamesMarkt: Wie ist die Stiftung organisiert, wie wird sie kontrolliert?
Peter Tscherne: Es gibt einen 14-köpfigen Beirat, der die Ziele der Stiftung mit bestimmt und bei Projekten als kritischer Multiplikator und Unterstützer wirkt. Er setzt sich aus hochkarätigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Bildung, Kultur und Wissenschaft zusammen. Besonders freuen wir uns auf die Zusammenarbeit bei Projekten mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der maßgeblich zur Gründung der Stiftung sowie der Zusammensetzung des Beirats beigetragen hat.

Wir möchten die Stiftung als zentrale Plattform für relevante Themen rund um digitale Spiele etablieren. Zu diesem Zweck initiieren, fördern und unterstützen wir Projekte aus verschiedenen Bereichen.

GamesMarkt: Wer hat die Vorstände, Beiräte, Organe bestimmt?
Peter Tscherne: Hier haben sich die Initiatoren der Stiftung – die Verbände, die USK und BKM – abgestimmt.

GamesMarkt: Welche Schwerpunkte stehen für 2013 auf der Agenda der Stiftung?
Peter Tscherne: Neben dem Aufbau der Infrastruktur und der Vernetzung in die Branche haben wir uns im ersten Quartal vor allem um den Deutschen Computerspielpreis gekümmert. In Kooperation mit dem Computerspielemuseum führen wir als weiteres Projekt während der Deutschen Gamestage das Gamefest mit vier Teilprojekten durch. Mit der USK haben wir einen Elternratgeber zum digitalen Spielen herausgegeben. Nach dem DCP am 24. April werden wir die erste Beiratssitzung vorbereiten und weitere Projekte aufsetzen. So stehen für die zweite Hälfte 2013 bereits Projekte aus den Bereichen Medienkompetenz, Ausbildung und Kultur an.

GamesMarkt: Und welche langfristigen Ziele verfolgt die Stiftung?
Peter Tscherne: Wir möchten die Stiftung als zentrale Plattform für relevante Themen rund um digitale Spiele etablieren. Zu diesem Zweck initiieren, fördern und unterstützen wir Projekte aus verschiedenen Bereichen: 1. Wirtschaft und Ausbildung, 2. Bildung und Erziehung, 3. Kunst und Kultur, 4. Forschung und Wissenschaft. Das sind, wenn man so will, unsere vier „Säulen“. Mit den Projekten wollen wir über die unterschiedlichen Facetten der digitalen Spielekultur aufklären und gesellschaftliche Diskussionen anstoßen. Und diese Diskussionen können durchaus kontrovers geführt werden. Hier verstehen wir uns als begeisterte und kritische Förderer der digitalen Spielekultur.

Diskussionen können durchaus kontrovers geführt werden. Hier verstehen wir uns als begeisterte und kritische Förderer der digitalen Spielekultur.

GamesMarkt: Zum Schluss: Ihr persönlicher Bezugspunkt zu digitalen Spielen?
Peter Tscherne: Digitale Spiele begeistern mich schon seit 1976. Damals brachte mein Vater eine der „Pong“-Konsolen nach Hause, und wir spielten mit meinen Eltern und Geschwistern oft „Doppel“, damals noch mit Drehknöpfen. Seither habe ich mit fast allen Plattformen und Genres ausgiebig Erfahrung gesammelt. Heute spiele ich am liebsten Action-Adventures und Jump ’n’ Runs.

Das Interview führte Harald Hesse. Es erschien in Ausgabe 09/2013 der Zeitschrift GamesMarkt, G+J Ent. Media.

Artikel erschienen am: Dienstag, 28. Mai 2013